Ökolibertät. Der ordoliberal-ökomoderne Ausweg aus der Knechtschaft

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Wie bitte?? Ob ich etwa unterstellen will, dass wir bereits in Hayekscher Knechtschaft, also im Sozialismus befindlich seien? Und was heißt hier „wir“? Heißt es Deutschland oder die EU? Nun, die Antwort ist ein etwas abgeschwächtes Ja, aber es ist leider ein Ja. Freilich gibt es in diesen Fragen kein schwarz/weiß, aber das Slade sowohl von DE als auch von der EU ist mittlerweile alles andere als hell. Es ist merklich abgedunkelt und bekam einen deutlich braun-roten 😡 Stich.


 

Friedrich August von Hayek 1899-1992
Quelle © https://www.youtube.com/watch?v=2f9cWQpWrw8

Als ich vor gut drei Jahren den Blogbeitrag »„Warum pro Kernenergie“ – eine etwas andere Fragestellung « schrieb, waren mir weder die Ökomoderne noch das „Manifesto“ derselben geläufig. Vielmehr wollte ich eine Art „TL;DR“ ➡ haben, um Diskussionen, wie eben jene in dem Beitrag erwähnte, abwürgen und so gewissermaßen „resümieren“ zu können 😉. Denn ich wurde es zunehmend leid, meinen Standpunkt in schier nie enden wollenden Threads darlegen zu müssen: für den Umweltschutz aber gleichzeitig für Atomkraft und u.U. gar für Kohle, gegen die Energiewende aber für die Elektromobilität und u.U. für Solarkraft… dies darzulegen tat ich mir ungemein schwer.

Umso größer war dann auch meine Freude, als mir etwa vor einem Jahr die Ökomodernisten und deren fixe Idee vom Umweltschutz durch die Moderne über die social-media Timelines flimmerten. Umweltschutz durch ressourcenschonende Energiegewinnung, das in modernen und aufgeklärten Gesellschaften, mit wissenschaftlichem Background statt Esoterik 🙄 oder Anthroposophie, Rückzug aus der „Pampa“ des falsch verstandenen „Einklangs mit der Natur“ in hochentwickelte urbane Zentren, ohne Mangelwirtschaft, vielmehr mit vertical Farming, Sous-Terrain-Versorgung, autonomen Individualverkehr etc… wow! 😮 „That’s it“, dachte ich mir. Ich war – und das bin immer noch! – begeistert, vor allem dankbar.

➡ gemeint ist eine Zusammenfassung „Too Long; Don’t Read“, eben

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„Projekt Planet A“ © https://www.oekomodernismus.de

So bemühte ich fortan gerne das „TL;DR“ namens „Ökomodernismus“ in allen Diskussionen, ob nun öffentlich oder privat geführt. Ob ich etwa für oder gegen die Abschaltung von Nucleaire de Fessenheim sei? Meine lapidare Antwort war, ich bin Ökomodernist und als solcher habe ich mit der Abschaltung solange kein Problem, solange diese für ein moderneres (Kern-) Kraftwerk den Weg frei macht. Eine Abschaltung hingegen – auch eines so veralteten KKW wie Fessenheim – zugunsten von fossilen Meilern und erst recht zugunsten von wirkungslosen Erneuerbaren, ist und bleibt fatal, in ökologischer wie ökonomischer1 Hinsicht. In den Online-Diskussionen konnte ich dann noch ein paar Links setzen – etwa zum „Ökomodernismus“, „Projekt Planet A“ oder der FB-Gruppe „Ökomoderne – Energiewende 4.0“ und die Sache war damit erledigt.

Doch dann setzte eine Entwicklung ein, die ich so nicht erwartet hatte. Mein Engagement bei den ökomodernen Gruppierungen, auch die Ökomoderne als solche, wurden zunehmend hinterfragt. Waren es anfänglich eher die „linken“ Kritiker gewesen (Atomkraft ist rä🤮chts, Geburtenkontrolle ist Euthanasie etc.), so gesellte sich hierzu im Laufe der Zeit immer mehr „friendly fire“. Mitstreiter und Freunde fragten plötzlich, was ich denn auf einmal bei den „grünen Khmer“ :mrgreen:, den Klima-Hysterikern, der Dt. Umwelthilfe und weiß Gott bei wem sonst noch verloren hätte. So richtig ins Knochenmark traf mich allerdings die Frage von engen Freunden, die meine libertäre Einstellung kannten, nämlich, wo denn mein (Ordo-) Liberalismus abgeblieben wäre.

Urplötzlich wurde so aus meinem einstigen „TL;DR“ ein Quell von Filibuster. Denn dagegen zu halten – sei es mit AG’s zu Elektromobilität oder ζ-Faktoren, sei es mit dem Verweis auf Kap. 7 von „Projekt Planet A“, in dem es um den Liberalismus und Humanismus der Ökomoderne geht – gestaltete sich immer langwieriger. Ich konnte so oft betonen wie ich wollte, dass nur eine freie Gesellschaft modern und am Ende ökomodern werden könne – nach und nach musste ich den Opponenten und deren Argumentation immer mehr Stichhaltigkeit zubilligen, was meine Ausführungen nicht unbedingt verkürzte.

➡ Die roten Khmer 😡 in Kambodscha unter Pol Pot ordneten in den der 1970’er Jahren eine Deportation der Stadtbevölkerung auf die Reisfelder des Landes an.
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Dann kam die Corona-Krise und die Ereignisse überschlugen sich förmlich. Denn durch den Lockdown haben wir gewissermaßen eine Art Trockenübung des künftigen Klimasozialismus (Hayek hätte wohl „Öko-Knechtschaft“ gesagt) erlebt: weitgehende Abschaffung der bürgerlichen Rechte.. gegen sinkenden CO2-Ausstoß, weniger Verkehr, Delfine in Venedig etc. Und dass man es nicht gerade eilig hatte und hat, diese Trockenübung zu beenden, wurde ebenfalls offensichtlich. Warum auch, wenn alles perfekt nach Plan läuft? Walter Ulbricht hätte dem nicht widersprochen…😮

Das Wappen von M. de Montaigne ©Wiki-Commons
Michel Eyquem de Montaigne gilt als Erfinder des Essays als literarischer Gattung.

So musste ich immer mehr und immer schmerzlicher erkennen, welche Kraftmomente dem Ökomodernismus inhärent sind. Insbesondere musste ich nach und nach einsehen, dass der Ökomodernismus durchaus in den Klima- bzw. Ökosozialismus führen kann (!) Auch eine ökologische Mangelwirtschaft ist eine Mangelwirtschaft, auch eine ökologische Knechtschaft ist eine Knechtschaft und zwar von Hayekscher Prägung 😡.

Aber ist die Analogie zum Sozialismus wirklich zutreffend? Wird der Ökomodernismus am Ende nichts weiter als eine dieser „guten Ideen“ sein, die nur nicht richtig umgesetzt worden seien? Wird es demnach zu einer Ideologie für Ameisen und einer Utopie für Menschen??

Genau das glaube ich allerdings nicht. Ich sehe vielmehr in dem Zweiklang aus Ordolibertät und Ökomoderne ein überaus brauchbares Werkzeug, um sich von jener Knechtschaft, in der sich unser Land ebenso wie die EU zweifelsohne befinden, zu befreien. Eine zugegebenermaßen gewagte These, die ich zu belegen gedenke, indem ich – ähnlich wie 2019 – nun eine schriftliche Abhandlung hierzu anregen möchte.

Diesem „ökolibertären Manifest“ (?) möchte ich allerdings von vorne herein ein wenig vom de Montaigneschen Essay einhauchen. Denn das Wort Essay drückt bereits für sich genommen das Unbestimmte, das Nicht-Definitive aus. Ferner war Michel de Montaigne ein Epistemokrat und als solcher hinterfragte er stark sein eigenes Wissen. Er schrieb seine Essays mit der klaren Prämisse der Selbsterkenntnis. Genau diese Selbsterkenntnis erhoffe ich mir von dieser Veranstaltung, für mich aber vor allem für all die Mitwirkenden. Ich hoffe, es werden viele werden.

OrdoÖkoCover

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1 Ordoliberalismus

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2 Fragen an den Ökomodernisten