Wozu „AG Energetik“?

Hä? Wozu denn ausgerechnet eine „AG Energetik“ und wozu eine „Aufklärung“ hierüber? Schließlich steht Physik und somit wohl auch die (physikalische!) Energetik immer noch auf dem Schulprogramm hierzulade und von „AG“ ‚s oder sonstigen Interessensgruppen mit ähnlichem Inhalt tut es nur so wimmeln. Außerdem gibt’s im Falle eines Falles immer noch Wikipedia, Youtube oder schlicht das ganze www, wo jede Information jederzeit zu haben ist. Oder etwa nicht..?

Nun, um diese und ähnliche Fragen zu beantworten, muss ich zunächst einen Spruch bringen, der gleich mehreren Personen zugeschrieben wird und der da lautet: „Information im Überfluss ist Desinformation“. Ich denke, jeder von uns hat mal einen Diskussionsthread (oder sollte ich eher sagen „Trollerthread“ :roll:) erlebt, in dem alles Mögliche erwähnt oder verlinkt wurde – Studien, Gegenstudien, Loch und Löcher – und am Ende wusste man nicht mal mehr, um was es ursprünglich gegangen war. Also schlussendlich wird durch so was jede Klarheit beseitigt, genauso wie die Urheberschaft von „Information im Überfluss ist Desinformation“ alles andere als klar ist.

Indes ist dieser Effekt nicht das einzige Problem von den Wikis, sozialen Netzwerken etc. Gerade Wikipedia erhebt (verständlicherweise) den Anspruch auf Vollständigkeit und genau diese Vollständigkeit führt  – entgegen dem, was wir uns alle wünschen und von einer „Wiki“ erwarten – genau zu diesem obigen Desinformationseffekt, den wir ja zunächst als Resultat aus vielfältigem Einfluss von allen möglichen Gruppen ausgemacht haben. Wie denn das?

Nehmen wir z.B. den Carnot-Wirkungsgrad. Was man hierüber wissen sollte (und es leider viel zu selten tut) ist, dass es eine naturgegebene Grenze bei der Umwandlung von Wärme in höherwertige Energieform (etwa mechanische) gibt, die unter Idealbedingungen einen Wirkungsgrad von η=1-(T1/T2). Und das ist alles!

Ruft man aber den Wiki-Artikel hierzu auf, steht da alles Mögliche (korrekt!) drin – schöne Zeichnungen und wohl aussehende mathematische Formeln – was aber für so manchen nur zum Davonlaufen ist. So gesehen ist es kein Wunder, dass für gar nicht so wenige hierzulande „Carnot“ eine französische Rebsorte ist 😆 und dass der Umweltausschuss des Deutschen Bundestages beispielsweise große Steigerungspotentiale bei dem 60%-Wirkungsgrad der modernsten Gaskraftwerke sah…

Es ist ein gutes Beispiel dafür, wofür sich die „AG Energetik“ einsetzt, nämlich die Verbreitung vom Grundwissen ➡ über energetische Belange, und es ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig dieses Grundwissen im Alltag sein kann. Wenn man uns beispielweise erzählt, durch „P2G“ („Power-To-Gas“) das Speicherproblem für den Zappelstrom aus den sog. „Erneuerbaren Energien“ (EE’s) lösen zu können, sollten wir sofort den „Carnot“ in Erinnerung rufen. Im Umkehrschluss heißt es aber, dass eine Firma, die bemüht ist, durch „P2G“ ein Geschäftsmodell und somit eine Existenzgrundlage für sich aufzubauen, eher am Unwissen denn am Wissen rund um Carnot interessiert sein dürfte.

➡ Mit dem gelegentlich erhobenen Vorwurf der Verflachung kann ich indes gut leben. Denn was ist es anders als Verflachung, wenn wir beispielsweise den freien Fall im Vakuum betrachten? Physik lebt nämlich davon, dass wir die Dinge idealisieren um die grundlegenden Gesetze besser erkennen zu können. Die obige Carnot-Formel gilt für Idealgase ohne deren Makrobewegungen und ohne sonstige Prozessverluste – und dennoch ist sie hochinteressant und für den Alltag höchst relevant!
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Insbesondere Letzteres lässt doch einigermaßen tief blicken 👿. Klar – Bildung ist hierzulande hoheitlich organisiert, um eben solchen Einflussnahmen einen Riegel vorzuschieben. Aber funktioniert dieser Riegel wirklich? Ist Physik immer noch die deutungsfreie und allgemein zugängliche ➡ Wissenschaft, so dass ein Unfug à la „P2P“ spätestens an der Klassenzimmertür scheitert?

➡ Im Mittelalter machten sich jene am meisten verdächtig, die die Bibel zu zitieren wussten. So war es dem gemeinen Volk untersagt die Bibel zu studieren… 😳
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Schön wäre es… aber leider existiert dieses Idyll seit mindestens zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Versuche von Einflussnahmen bis hin zur Übernahme von Deutungshoheiten über bestimmte Begriffe waren zwar schon immer irgendwie da (und sie waren keineswegs auf Deutschland beschränkt), aber im Großen und Ganzen hat der Riegel funktioniert. Doch die Sache änderte sich grundlegend um die Jahrtausendwende, vorwiegend im deutschsprachigen Raum. Was war passiert?

Bis dato hatte sich der Einfluss des ökoindustriellen Komplexes ➡ auf die Politik (und somit auf die Bildung, da es hierzulande Ländersache ist) auf eine eher überschaubare und mehr außerparlamentarische Gruppierung aus der grünökologischen Bewegung beschränkt. Doch je mehr die Jahrtausendwende nahte um so größer und mächtiger wurde diese „Gruppierung“ – sei es durch die Wahlerfolge der Partei der (Bündnis-) Grünen selbst, sei es durch fortschreitende Korrumpierung anderer Parteien sowie weiter Teile der Mainstream-Medien eben durch ÖKo. ➡

➡ „Ökoindustrieller Komplex“ klingt zugegebenermaßen etwas martialisch – erinnert es doch an die dunkelsten Seiten der westdeutschen Nachkriegsgeschichte… 😳 Ich verwende den Terminus (entliehen spätestens dem Buch „Öko-Nihilismus“ von Edgar L. Gärtner) dennoch und eben auch als Kürzel „ÖKo“. Gemeint ist die gesamte Öko-Lobby aus dem Wirtschafts-  aber leider auch Politik-Bereich – s. ff.
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Ein Ausdruck dieses Prozesses war die – wie ich es nenne – Energiewende 1.0 im Jahre 2000, die als „Energiepolitischer Konsens“ in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eingehen sollte. Und hier hat ÖKo Erfolge eingefahren, die durchschlagender nicht hätten sein können. So erhob man die ÖKo-Energieformen (die EE’s eben) in der Stand der absoluten ethischen Reinheit, während Kernenergie beispielsweise zum Teufelszeug schlechthin (v) erklärt wurde, die fortan fortan bestenfalls als „Brückentechnologie ins Zeitalter der erneuerbaren Energien“ gelten durfte. Und all das flankierte man gewissermaßen unter tatkräftiger Unterstützung der mehrheitlich „grünen“ Journaille mit den Mitteln des neuen Tugendterrors, so dass man sich anschließend zurücklehnen und den immer kräftiger klingelnden Kassen lauschen konnte.

Dann kam aber – wohl auch für den ÖKo wie aus dem heiteren Himmel – das deutsche 9/11 und zwar am 3/11 des Jahres 2011. „Fukushima – Du großer Gott“ titelten gleich mehrere Organe der grünen Journaille. Und die Ereignisse überschlugen sich förmlich. Praktisch über Nacht liefen die restlichen (zuvor entsprechend vorgemodellten…?) politischen Kräfte – angeführt durch die (Aesculapius-) Kanzlerin 😉 – allesamt zum ÖKo über. Also praktisch über Nacht wurde so gut wie die gesamte Politik zum Bestandteil des ökoindustriellen Komplexes! Der ÖKo – der sein Glück kaum fassen konnte – erlangte somit die vollständige Kontrolle über das öffentliche Leben hierzulande, über unsere Demokratie, Meinungsmache und somit – wen überrascht es – auch über unsere Bildung.

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