Meine Tipps an „Fridays for Future“

Braunkohlekraftwerk Niederaussem © Stodtmeister – „Eigene Werke“ CC BY 3.0. https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13279041
Der Meiler verbrennt 1 t Braunkohle pro Sekunde!

Zunächst möchte ich Euch allen, die Ihr bei „Fridays for Future“ in der einen oder anderen Form mitmacht, recht herzlich gratulieren! Denn spätestens mit der neuerlichen Europawahl dürfte wohl jedem noch so verklausulierten Politiker klar geworden, dass er oder sie an der „F4F“-Bewegung, insbesondere dem Geist, den diese hervorgebracht hat, nicht mehr vorbeikommt.

Allerdings hat diese Medaille auch ihre Kehrseite. Ihr habt nämlich das gesamte Establishment regelrecht herausgefordert. Man wird Euch jetzt nicht mehr nur ernst oder „bitter ernst“ nehmen, sondern auch als ein Stück Bedrohung ansehen. Mit anderen Worten, die Politiker, Journalisten, Wirtschaftsbosse und sonstige Verbandsfunktionäre etc. werden in den nächsten Wochen und Monaten immer aggressiver 😕 versuchen Euch zu stellen. Und da ich grundsätzlich mit Eurem Anliegen sympathisiere, möchte ich Euch in diesem kurzen Blogbeitrag ein paar Tipps geben wie Ihr den absehbaren Attacken von rhetorisch bestens geschulten Leuten entgehen könnt.

Doch vorab schulde ich Euch wohl die Antwort auf die Frage, wie ich selber zu Eurer Bewegung stehe. Nun, ich finde es grundsätzlich legitim, dass Ihr Euch für Eure Zukunft einsetzt, denn in der Tat werdet Ihr es sein, die in dieser Welt leben werden – auch wenn ich das Schulschwänzen, um es in aller Klarheit zu sagen, für illegitim halte.

Daniel Kahneman (*1934), ein israelisch-US-amerikanischer Psychologe und Wirtschafts-Nobelpreisträger des Jahres 2002, beschreibt in seinem legendären „Schnelles Denken, langsames Denken“ u.a. Urteilsheuristiken und kognitive Verzerrungen.

Meiner Unterstützung für Euer Anliegen tut es freilich keinen Abbruch, wenn ich den anthropogenen Einfluss auf das Klima für infinitesimal klein halte. Denn wie bereits in der AG „Footprint von CO2-Footprint“ dargelegt, gibt es eine Reihe von Gründen, die für eine durchgreifende Dekarbonisierung sprechen. Und wenn Ihr die notwendige Dekarbonisierung „Kampf gegen die Treibhausgase“, „Kampf gegen den Klimawandel“ oder wie auch immer nennt, so soll es mir recht sein. Außerdem habe ich vernommen, dass diverse Ableger von F4F auch noch andere Ziele verfolgen, wie zum Beispiel den Landschaftsschutz (Norwegen) oder die Freiheit des Internets (Deutschland). Hier ist meine Unterstützung für Euch sogar vollumfänglich und durch nichts bedingt!

Die norwegische „Greta“ heißt Nila. Sie setzt sich für die Erhaltung der bizarren Fjordlandschaft in ihrer Heimat gegen die Windkraft-Lobby ein.

Über diese Tabelle hinaus möchte ich Euch das nebenan abgebildete Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von D. Kahneman empfehlen. Hier findet Ihr eine brillante Analyse von diversen rhetorischen Tricks und Fallen, die man besser beherrschen sollte, bevor man selber in sie hineintappt 👿. Framing, Anchoring u.v.m. sind dort meisterlich beschrieben und zwar vom Nobelpreisträger höchstpersönlich!

Die anschließende tabellarische Zusammenfassung ist wie folgt konzipiert: in der linken Spalte findet Ihr eine mögliche bzw. eher bereits ausgestoßene Fragestellung an Euch, wohingegen in der rechten Spalte jene Antwort steht, die ich Euch empfehlen würde. Gleichzeitig versuche ich den retorischen Trick und die Absicht, die jeweils dahinter stehen, zu beleuchten. Generell gilt: nicht in irgendwelche nie endenden Diskussionen verwickeln lassen – vielmehr stets auf Eure Kernforderungen zurückkommen!

Die Tabelle wird kontinuierlich erweitert werden, sobald mir weitere Fragestellungen und Erfahrungen Eurerseits zugehen. Schreibt jederzeit, z.B. via https://www.facebook.com/rainer.stawarz/posts/2243017059247503.

Frage
Antwort

💡
1

Was wollt ihr denn überhaupt? Diese Frage wird zumeist zu Anfang einer Diskussion gestellt und zielt darauf ab, Euch eine lange Erklärung abzutrotzen, die in eine Art Beliebigkeit abgleitet. Antwortet kurz: „Wir verlangen konkrete Senkungen von Treibhausgas-Emissionen und zwar in absoluten und belastbaren Zahlen, keine prozentualen Senkungen gegenüber anno 19xy oder sonstiges Pillepalle. Das alles selbstverständlich bezahlbar, umweltverträglich – na ihr wisst schon“ :mrgreen:
💡
2
Was sollen wir Eurer Meinung nach konkret tun? Diese Frage zielt darauf ab, Euch in eine technische Diskussion zu verwickeln, die Ihr – aus verständlichem Mangel an Fachwissen – gar nicht bestehen könnt. Antwortet auch hier kurz: „Das müsst Ihr bzw. das müssen Eure Fachleute wissen. Es ist überhaupt nicht unsere Aufgabe das zu wissen…“
💡
3
Tretet doch in die (z.B. CDU) ein! Dort könnt Ihr Eure Visionen doch am besten verwirklichen… Bloß keine parteipolitische Diskussion, auch wenn das Mundwerk noch so juckt 😉. Denn unabhängig von der beabsichtigten Vereinnahmung landet Ihr kurz oder lang bei der grünen Doppelspitze, AKK vs. AM und schließlich Kampf gegen Räxts 😉 und beim letzteren findet Ihr Euch womöglich noch auf der falschen Seite... Antwortet auch hier kurz und knapp und zwar unabhängig von politischer Couleur des Gegenüber: „Ich hab‘ weder Zeit noch Bock auf Euren Debattierklub. Ihr müsst schon selber wissen was zu tun ist – dafür wurdet ihr ja schließlich gewählt.“

_________________
➡ so geäußert vom CDU-Generalsekretär gegenüber einem F4F-Aktivisten in einer Talkshow des GEZ-Fernsehens.
💡
4
Ihr macht es Euch zu einfach. Was tragt Ihr selber zu der Sache bei außer jeden Freitag herum zu hüpfen? Sinn und Zweck dieser Trivialisierung und Ironisierung von „F4F“ besteht auch hier darin, die Diskussion auf ganz andere, nie endende Bahnen zu lenken. Je nach dem Gegenüber dürft Ihr auch ein wenig frech werden, etwa „Was wir tun steht hier überhaupt nicht zur Debatte (oder: geht Euch nichts an o.ä.). Entscheidend ist was Ihr tut. Ihr seid gewählt (weil Ihr behauptet habt zu wissen wie es geht!) also tut Eure Pflicht. Und ein bisschen zackig!“ 
💡
5
Aber wir haben doch bereits viel getan, z.B. Erneuerbare Energien stark ausgebaut, den Ausstieg aus Atom und Kohle eingeleitet etc. Hier wird die Sache ganz geschickt emotionell aufgeladen, mit dem Ziel, die Diskussion auf Bahnen zu lenken, die praktisch unendlich sind. Denn wenn Ihr Euch darauf einlasst, landet Ihr über kurz oder lang bei Atommüll, Insektensterben und Fukushima. Antwortet stattdessen ähnlich wie bei Fragen 1/2: „Wir verlangen wie gesagt konkrete und belastbare Resultate. Ihr bzw. Eure Fachleute müssen wissen, welche Maßnahmen die falschen waren und was die richtigen sind. Es ist überhaupt nicht unsere Aufgabe das zu wissen…“
💡
6
Ihr seid doch nicht etwa gegen die Energiewende?? Oder gar für die Atomkraft?? Dito 5, nur werdet Ihr hier mit der moralischen Keule in die Enge getrieben, was  Euch meiner Meinung nach dazu berechtigt, ein wenig frech zu werden. Schickt vorweg z.B. ein „Wir sind grundsätzlich gegen nichts, außer gegen Euer Nichtstun“ o.ä. und antwortet sonst wie gehabt: „Ihr bzw. Eure Fachleute müssen wissen, ob der Atomausstieg oder Waldrodungen für Windkraft das Klima schützen und ob die Windparks unsere Landschaft verschönern. Es geht hier um unsere Zukunft!“
💡
7
Wir wirken beim Pariser Klimaschutzabkommen aktiv mit, im Gegensatz z.B. zu D. Trump 🙄. (Oder: Wir versuchen einen Windpark aufzubauen aber AfD vor Ort tut mauern o.ä.) Dies ist sozusagen ein doppeltes gut/böse-Framing, ähnlich 💡 6. Frame 1: Klimaschutzabkommen/ Energiewende (gut). Frame 2: Donald Trump/Atomkraft (böse). Gut/böse-Framings haben eine bessere Fang- und Ablenkungsquote und sind von daher sehr beliebt. Denn egal an welchen Frame Ihr rangeht, kommt Ihr in Teufels Küche und die beabsichtigte Ablenkung ist perfekt. Am besten geht nicht auf beide Frames ein, sondern lasst das moralisch aufgeladene „böse“ draußen vor – z.B.: „Ihr bzw. Eure Fachleute müssen wissen, ob das Klimaschutzabkommen unserem Anliegen dient. Es geht hier um unsere Zukunft!“
💡
8
💡
9
💡
10
💡
11

Comments