Elektro vs. Fossil oder über den grundlegenden „Öko“-Denkfehler

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Fisker Karma © Rainer A. Stawarz
Ein Plug-In-Hybrid, angetrieben von zwei Elektromotoren mit 2 x 203 PS, die aus einer 20 kWh-Batterie bzw. einem Stromgenerator an einem 212 PS starken Ottomotor gespeist werden.

Die beiden AG-Energetik-Studien (bzw. AG’s) zum Thema Elektroantrieb sowie Brennstoffzelle, wurden überaus intensiv diskutiert, vielerorts geteilt und geliked, und selbstverständlich hier und da auch mal kritisiert. Das rege Echo lässt sich nicht zuletzt an den zahlreichen Facebook-Likes ablesen. Denn um diese zu setzen, muss man sich erst bis ans Ende der jeweiligen Beiträge zumindest mal durchscrollen, wenn man die schon nicht liest… 😉, was ich übrigens durchaus auch bei den dankenswerten Likegebern festgestellt habe :mrgreen:. So gesehen verwundert es nicht sonderlich, dass beide AG’s zu den meist missverstandenen in der bescheidenen 3-jährigen Geschichte der AG Energetik gehören. In diesem Blogbeitrag will ich zunächst auf einige dieser Missverständnisse eingehen, später dann möchte ich eine Fragestellung aufgreifen, die sich einmal in einer Diskussion über die Elektroantrieb AG so ergeben hatte, nämlich: Kann das Elektroauto u.U. sinnvoll sein und wenn ja, was sind denn das für Umstände? Aber langsam, eins nach dem anderen.

Das wohl häufigste Missverständnis in diesem Zusammenhang liegt in der Unterstellung, die AG’s seien entweder pro- oder contra Elektromobilität (oder Brennstoffzelle). Pflichtübung wäre jetzt gewesen zu sagen, diese seien weder pro- noch contra irgend etwas, sondern stets der reinen Wahrheit verpflichtet. Aber auch das stimmt nur bedingt. Denn Sinn und Zweck der AG Energetik besteht ja selten darin, exakte Resultate zu erarbeiten, sondern vielmehr den interessierten Menschen, etwa Schülern, Wege aufzuzeichnen, wie sie zu bestimmten Erkenntnissen gelangen können. So gesehen ist hier der Weg ein Stück das Ziel.

➡ Letzteres lässt sich wohl kaum an einem anderen Umstand besser ablesen, als an der Tatsache, dass ich sowohl zu einer pro- als auch in eine contra-Elektroauto Facebook-Gruppe hinzugefügt worden bin… 😉
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Mirai
Toyota Mirai mit Brennstoffzelleantrieb an der Wasserstofftankstelle
Quelle © Toyota USA

So z.B. wurde durch den Trick mit der „Bestromung“ aus einem Dieselaggregat der gesamte Gestehungsprozess – vom Bohrloch bis zum Tank – definitorisch gleichgesetzt, wodurch sich die anschließende Prozesskette spielend leicht hat vergleichen lassen. Durch diesen Ansatz gelangte die AGE zu der Erkenntnis, dass das Elektroauto in etwa um den Faktor 1,3 schlechter ist gegenüber einem vergleichbaren Verbrenner und dass die Brennstoffzelle dann noch um weitere 1,5 schlechter ist! Allerdings steht ganz zum Schluss eindeutig drin, dass dies nur bei einer vergleichbaren Gestehung der Ausgangsstoffe (Prozess „A“) gilt. Denn gewinnt man den Strom aus der Kernenergie, so kann die energetische Bilanz des Elektroautos nahezu dramatisch besser werden. Auch das steht in der Schlussfolgerungen drin, wurde aber selten beachtet. Vielleicht sollte ich nach der guten angelsächsischen Sitte eine Art Zusammenfassung („Abstract“) vorne weg aufschreiben, was dem flüchtigen Leser die Möglichkeit gäbe schnell zu erfassen, was denn die AG am Ende aussagt..? 😉

Zu den wohl am häufigsten Fragen, die mir in diesem Zusammenhang gestellt worden sind, gehört wohl die, ob denn das Elektroauto, angesichts dermaßen niederschmetternder Bilanzen dennoch gesamtenergetisch betrachtet besser sein kann als ein vergleichbarer Verbrenner? Meine Antwort lautet dann, und ob! Denn der energetische Aufwand am Bohrloch, um 1 kg Erdöl beziehungsweise 1 kg Uran heraus zu holen, ist ja vergleichbar… aber die Energie, die wir aus 1 kg Uran herausholen können, ist um ganze Größenordnungen höher, als im Falle von Erdöl – geschweige denn, wenn wir den ganzen Massendefekt von 1 kg Masse betrachten würden. Demzufolge kann das Elektroauto nahezu dramatisch besser werden, wenn auch nur unter bestimmten Umständen. Das wiederum kann nur der flächendeckende Einsatz der Kernenergie sein. So schließt sich der Kreis; dazu gleich mehr.

1stWendelstein7XIn einer der intensiv geführten Diskussionen um die beiden Beiträge hat mal ein Befürworter der Kernenergie eingewandt, man könne doch mit Kernenergie ebenfalls flüssige Brennstoffe herstellen, wodurch auch ein Verbrennungsmotor von der Effizienz der Gewinung von Ausgangsstoffen profitieren könnte. Dieser Einwand hat eine Grundsatzdebatte ausgelöst, auf die ich hier abschließend eingehen möchte.

Muellheim1
Müllheim (Baden)
Eine Idylle , die auch in einer Großstadt Realität werden könnte. „Sounds of Nature“ dazu- und die Schornsteine wegdenken. Alles funktioniert nur mit flächendeckendem Einsatz von Kernenergie

Nun, die Grundsatzfrage lautete, welches Antriebskonzept denn besser sei und zwar in einem Szenario, in dem saubere Energie spottbillig und im Überfluss vorhanden ist..? Stellen wir uns also vor, wir gewinnen unsere Treibstoffe z.B. aus den Stelleratoren – also praktisch ohne Abfall und ohne einen nennenswerten Impact – und auf der anderen Seite erzeugen wir Strom sowie Ersatzstoffe für seltene Erden (vgl. quantenmechanisches Molekulardesign) ebenfalls aus Wunderquellen wie 7-X oder DFR.

Hier waren sich die Diskussionsteilnehmer auf Anhieb einig. Wenn die Energie tatsächlich sauber und billig zu haben ist, dann gibt es nur einen Sieger in einem solchen Szenario: das Elektromobil! Ein Auto, das Geräusch- und Schadstoffarm herumfährt und auch sonst sofort voll „da“ ist, bringt uns genau jener Idylle näher, die unter „Warum pro Kernenergie…“ uns die „Sounds of Nature“ wiederzuentdecken verspricht.

Doch dann bekam die Diskussion eine recht überraschende Wendung, als wir feststellten, nicht weniger als den Denkfehler des internationalen Ökologismus schlechthin entdeckt zu haben 💡! Ich fragte in die Runde, warum wir uns von der eigentlich angestrebten und zumindest verbal gewollten „grünen“ :mrgreen: Idylle mit zunehmendem Tempo entfernen? Die Umwelt ist mehr denn je verpestet und verschandelt, Lärm und Feinstaub gibt’s zuhauf, die Menschen sind unzufrieden, klagen über Allergien, Loch und Löcher – und das trotz einer Energiewende mit Abermilliarden von Ökoinvestitionen? Was ist da los?

 Die Antwort liegt klar auf der Hand. Die Vorstellung, durch Verknappung, Verteuerung (auch Verkomplizierung) der Energie und deren Gewinnung diene man der Ökologie, ist eben grundlegend falsch. Nur mit einer günstigen, reichlich vorhandenen und freilich sauberen Energie kann man am Ende ökologische Wohltaten vollbringen. Und eine solche Energie kann nur auf subatomarer Ebene gewonnen werden – die „freie“ Energie ist da vollkommen nutzlos!

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